Da hilft kein Jammern! Der „Gestiefelte Kater“ nimmt das Glück in die Hand

 

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Abgründiges in der flirrenden Märchenwelt: Der Gestiefelte Kater am Hans Otto Theater.

Dieser Gestiefelte Kater nimmt große Schritte. Er durchquert so ziemlich alle Niederungen, in die wir fallen können und die uns mitunter zermürben. Dieses Märchenspiel von Thomas Freyer als Adaption der Grimmschen Märchen wird zur Persiflage auf die wilde Jagd der Arbeitgeber auf die Kraft ihrer Angestellten. Immer mehr haben sie zu buckeln  – bis sie schließlich erschöpft zusammen brechen. Ja, hier geht es um Burnout und Depression und doch kratzt diese Problemwelt der Erwachsenen nicht an dem märchenhaften Zauber, mit der diese Inszenierung von Kerstin Kusch die Bühne überzieht. Sie ist spritzig und witzig und vor allem sehr musikalisch. Weiterlesen

Unser Rezept für kalte Tage: Ossobuco zum Durchwärmen

IMG-20161129-WA0000Mit unserem Novemberrezept schauen wir uns in der Küche Italiens um. Wir servieren einen traditionellen norditalienischen Schmortopf, so richtig zum Durchwärmen an nasskalten Tagen. Der klangvolle Name Ossobuco heißt wörtlich übersetzt so viel wie Loch im Knochen und ist vielleicht mit unserem Markknochen zu vergleichen.
Die von unserer Köchin Lili verwendeten Kalbshaxenscheiben sollte man vorher beim Fleischer bestellen. Weiterlesen

Glühwein schmeckt auch bei 10 Grad! Weihnachtsmärkte in Potsdam und Umgebung

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Advent am Audimax – Weihnachtsmarkt der Uni Potsdam am 7. Dezember. Foto: Karla Fritze

Den Herrnhuter Stern habe ich bereits letztes Wochenende ins Fenster gehängt. Auch die ersten Tannenzweige wurden in der Wohnung verteilt und am Spekulatius konnte ich im Supermarkt auch nicht mehr vorbeigehen. Selbst den ersten Glühwein gab es bereits vor ein paar Wochen auf der Terrasse meiner Eltern. Da waren es allerdings noch knackige Temperaturen um die 0 Grad, wie es sich fürs Glühweintrinken gehört.

Bei lauen 10 Grad zu Last Christmas über die Brandenburger zu schlendern, fühlt sich wie jedes Jahr zu Beginn der Adventszeit irgendwie falsch an. Mal abgesehen von den grausigen Elchgesängen und dem schrillen Weihnachtsblingbling, von denen man sich auf kommerziellen Weihnachtsmärkten wie diesen zum Teil belästigt fühlt.

Doch Weihnachtsmarkt ist nicht gleich Weihnachtsmarkt. Und deswegen habe ich mal recherchiert, wo man im diesen Jahr besinnlich in die Adventszeit eintauchen kann. Weiterlesen

Die hohe Kunst des Verweigerns: Ton und Kirschen überzeugen in „Bartleby der Schreiber“ mit Slapstick und Hintersinn

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Stein des Anstoßes: der Verweigerer Bartleby. Am Wochenende ist er in der fabrik zu sehen.  Foto: Estournet

Dieser Bartleby erinnert mich an die gemalten Einsamkeits-Gestalten von Edward Hopper: verlorene Seelen mit Blicken, die ins Leere gehen. Wir versuchen, sie zu ergründen und bleiben gebannt und doch ratlos zurück.

„Bartleby, der Schreiber“ ist indes die Titelfigur einer 1853 geschriebenen Erzählung von Herman Melville, die das Wandertheater Ton und Kirschen am Donnerstag in der fabrik Potsdam mit Schwung, Slapstick und großer Konzentriertheit auf die Bühne brachte. Weiterlesen

Leere Räume: Das Museum Barberini lädt zum Wandeln ein

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So sieht es vom Alten Markt aus: das Museum Barberini. Ab Montag darf man die leeren Räume besichtigen, wenn man sich ein „Zeitfenster“ gesichert hat. Foto: Museum Barberini/ Helge Mundt

Schon oft bin ich neugierig um den Palast Barberini geschlichen, habe die Bauarbeiten verfolgt und das Aufstellen der Mattheuer-Plastik „Der Jahrhundertschritt“. Nun betrete ich das erste Mal das imposante Haus. Durchaus mit Herzklopfen und natürlich mit Vorfreude auf die Kunst, die da kommen mag. Weiterlesen

Nach 46 Jahren wieder im „Taxi nach Leipzig“ – die 1000. Folge des Tatort

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Im „Taxi nach Leipzig“ – 1970 und 2016

Adam Fletcher, ein in Berlin lebender englischer Autor, zählt in seinen Büchern und Kolumnen gerne auf, was für ihn typisch deutsch ist. Neben „Müll recyclen“ und „sich versichern“ steht ganz weit oben auf der Liste: „Tatort gucken“. Der Tatort ist für Millionen Deutsche mehr als nur ein TV-Krimi – er ist der ritualisierte Ausklang des Wochenendes. Ob im Wohnzimmer, der Studi-WG-Küche oder gar beim Public Viewing inklusive Täterraten (in Potsdam zum Beispiel im „11-line“ oder im „Zweitwohnsitz“), der Sonntagskrimi hat Anhänger in allen Altersgruppen. Seine Einschaltquoten können sogar mit Fußball-Länderspielen mithalten. Vor unglaublichen 46 Jahren wurde die allererste Folge ausgestrahlt. Damit ist der Tatort die am längsten laufende deutsche Krimiserie. Am vergangenen Sonntag lief die 1000. Folge. Weiterlesen

Durch welche Tür treten Sie? „Terror“ ist auch am Hans Otto Theater ein aufwühlendes Ereignis

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Die Zuschauer werden zu Schöffen im Theater-Gericht – und geraten in eine Zwickmühle.
Nachdem ich Schirachs „Terror“  im Fernsehen gesehen hatte, sank mein Interesse, mir auch noch die Aufführung am Hans Otto Theater anzusehen. Die TV-Besetzung mit Martina Gedeck, Lars Eidinger, Jördis Triebel, Burckhard Klausner, Florian Daniel Fitz ist einfach nicht zu toppen, die Handlung auserzählt, das Votum abgegeben.
Dennoch: Die Karten sind nun mal bestellt, die Verabredung mit der Freundin getroffen … Es wird trotz  meiner Bedenken ein bewegender Abend – mit unerwartetem Ausgang.

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Mit Wucht und Zauber: Unidram ist eröffnet und zeigt sich gewohnt anders

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Sie nennen sich selbstironisch „Ingenieurtheater“, die Künstler von Akhe aus St. Petersburg. Bei Unidram stellen sie an mehreren Abenden ihre Annäherung an das Tibetische Totenbuch vor.

Erschöpft trete ich nach diesem ersten langen Unidram-Abend in die Kühle der Nacht. Die russische Gruppe Akhe hat ganze Arbeit geleistet. Ihre Annäherung an das Tibetische Totenbuch ist nicht nur für die beiden Performer ein enormer Kraftakt.  Während sie sich mit Milch und Blut beschmieren, über die Bühne robben und wie besessen in wilder Pinselei die Bühne weißen, sinniert der Kopf der Zuschauer angestrengt über Sinn und Widersinn dieser akribisch-chaotischen Aufführung nach. Weiterlesen

Die sinnumstürzende Kraft des Theaters: Hinein in die Unidram-Bilderwelt

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Der wilde Tanz der Puppen. Mit „Blind“ wird das Festival eröffnet. Foto: Patrick Argirakis

Lautlose Schreie, flackerndes Licht, Puppen außer Rand und Band – der Unidram-Trailer gibt einen bitter-süßen Vorgeschmack auf das internationale Festival in der Schiffbauergasse. Ein turbulentes Spiel mit den Möglichkeiten des Theaters um Illusion und Wirklichkeit beginnt. Junge Künstler aus Europa reisen nach Potsdam, um ab Dienstag ihre faszinierenden Bilderwelten und visuellen Experimente zu zeigen. Auch ohne Worte sprechen sie eine kraftvoll-beseelte Sprache. Weiterlesen

F-Fan-Fanatische Vocalise: Am Sonntag beginnt das Festival

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Klangvolle Inspiration. Die Vocalise lädt zu einem musikalischen Miteinander.

Das Motto provoziert. „Fanatisch“ ist die diesjährige Vocalise überschrieben: dieses glänzende Fest der Stimmen im dunklen Monat November. Warum wird diese Hohezeit der Musik, die den inneren Frieden beschwört, mit diesem negativ besetzten Wort „abgewertet“? Fanatiker versetzen gerade jetzt die Welt mit ihrem blinden religiösen Eifer in Angst und Schrecken. Ihre besessene Leidenschaft schafft Leiden.

Ud Joffe, der Künstlerische Leiter des Vocalfestivals, das vom 6. bis 27. November mit sieben Konzerten in vier Gotteshäusern aufwartet, weiß natürlich um die Irritation und will provozieren. Oder das Wort von seinem schwarzen Gewand befreien. Weiterlesen