Eine Fusion, die es in sich hat – Dellé und das Deutsche Filmorchester Babelsberg bringen den Nikolaisaal zum Toben

Dellé und das Babelsberger Filmorchester im Nikolaisaal

Es ist ein Wiedersehen der besonderen Art. Eine Rückkehr dorthin, wo der Grundstein für eine große Musikkarriere gelegt wurde. Denn Frank Dellé, Frontmann der Berliner Band Seeed, spielt an diesem Abend nicht zufällig in Potsdam. Nein, er hat hier während seines Studiums zum Toningenieur an der damaligen HFF, heute Filmuniversität Babelsberg, mehrere Jahre gelebt. „Dabei konnte ich mich kontinuierlich verbessern. Vom Studentenwohnheim in Golm, über ein Zimmer am Neuen Palais schaffte ich es schließlich bis ins damals gerade erst erbaute schöne Studentendorf nach Griebnitzsee“, erinnert sich der gebürtige Berliner, der damals trotz der Nähe zu seiner Heimatstadt bewusst nach Potsdam zog. Und nun ist er wieder hier. Steht auf der Bühne des Nikolaisaals – neben der Person, die schon vor 20 Jahren das Talent des jungen Studenten erkannte. Neben seinem damaligen Dozenten für Gehörbildung: Bernd Wefelmeyer, Dirigent des Deutschen Filmorchesters Babelsberg. Weiterlesen

Der grüne Fürst und die Kaiserin bitten zum Empfang: Noch bis 15. Oktober ist die Schau im Schloss Babelsberg geöffnet

Nach der Ausstellung wird das Schloss wieder für mehrere Jahre geschlossen. Foto: Sophie Jäger

Schaffen Sie es auch immer erst auf den letzten Metern? Da gibt es im Kopf eine Liste mit den schönsten Dingen, spannendsten Filmen, hochgelobtesten Ausstellungen, die man keineswegs verpassen möchte, doch am Ende muss man sich sputen, dass sie nicht ungesehen vorüberziehen. Bei Pückler ist es mir noch rechtzeitig gelungen, ihm meine Aufwartung zu machen. Sogar drei Wochen, bevor er sich aus dem Schloss Babelsberg wieder verabschiedet. Noch bis zum 15. Oktober weht die weiße Fahne mit dem Wort Pückler auf dem Schlossturm und lädt ein, die Ausstellung „Pückler Babelsberg – Der grüne Fürst und die Kaiserin“ zu sehen. Ein Muss für Parkliebhaber. Und dank Online-Reservierung für ein bestimmtes Zeitfenster ganz bequem ohne Schlange stehen. Weiterlesen

Im wilden Gestrüpp des Schweigens: „Das Wasser im Meer“ erzählt von Flucht und Vertreibung

Drinnen und draußen, Plüsch und Container. Ein Stück über Flucht, Vertreibung und Heimat am Hans Otto Theater

Weniger ist manchmal mehr! Mit diesem geflügelten Wort ließ sich im Groben der hochambitionierte, aber überfrachtete Theaterabend „Das Wasser im Meer“ beschreiben. Volksweisheiten gibt es in Fülle in diesem Stück von Christoph Nußbaumeder, das Freitag am Hans Otto Theater seine Deutsche Erstaufführung erlebte. Denn Sprichwörter wie „Ohne Fleiß kein Preis“ oder „Von nichts kommt nichts“ waren Kernsätze in der Erziehungsmethode von Stefan Riedl. Dieser verwitwete Mann wird nun 80 und die drei Töchter mit Familien haben sich zur verhassten, aber unvermeidlichen Feier angesagt. Weiterlesen

Gruselschöne Verlassenheit – Führungen durch Beelitz Heilstätten

Wo einst die Krankheit residierte, gibt es heute spannende Fotomotive. Foto: he

Es muss nicht unbedingt der Tag des Offenen Denkmals am kommenden Sonntag sein: Ein Ausflug nach Beelitz Heilstätten lohnt zu jeder Zeit. Ob von oben oder mittendrin: die ehemalige Lungenheilanstalt fasziniert in ihrem maroden Charme von allen Seiten. Und zudem gibt es neben dem Baumkronenpfad und den Führungen durch die Krankenhäuser nun auch noch einen unbedingt empfehlenswerten Barfußpark, der durch Matsch und Wasser, über Stock und Stein führt und sich mit Klang- und Dufterlebnissen paart. Weiterlesen

Wiener Schmäh und Leidenschaft – Nikolaisaal startet in die neue Saison mit Konzerten und großem Straßenfest

Frisch gewaschen: der Nikolaisaal meldet sich mit Klassik und World Beats zurück

Nach diesem furiosen Saisonauftakt müssen wir einfach aus unserem Sommerloch kriechen und wieder zum „Stift“ greifen. Die Kultursegler waren dabei, als am Freitagabend die attraktiven und sportiven Brüder Andreas und Daniel Ottensamer mit ihren Klarinetten ein Leuchtfeuer der Leidenschaft entzündeten. Jung, frech und spritzig präsentierten sich die Wiener Jungs (Jahrgang 89 und 86), die mit ihrem Charme das Publikum sofort an der Angel hatten. Man spürte den Spaß und die Hingabe, die Intelligenz und das Können dieser Sprößlinge einer österreichisch-ungarischen Musikerfamilie. Sie durchlebten die Musik bis in die kleinste Faser ihres Körpers und brachten einen frohgestimmten Mendelssohn-Bartholdy zu Gehör, der ihnen wie auf den Leib geschneidert schien. Weiterlesen…

Im Hafen Familie – Die Kultursegler machen Pause

Das Leben setzt gerade andere Prioritäten, als schreibend durch Potsdamer Kulturgefilde zu segeln.

Schulferien, Mitarbeiternotstand in der Kita, Aufheiterungsprogramme für die lebensüberdrüssige Ticktack – wie wir Urgroßmutter liebevoll nennen. Vier Generationen takten sich im engen Miteinander durch den Sommer. Da ist der Kopf besetzt und lässt wenig Freiraum für eigene Spielwiesen.

Die Kultursegler legen deshalb an im „Hafen Familie“ und schauen, wie und ob es nach dem Sommer weitergeht.

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111 Orte, die uns Geschichte erzählen: Auf ins brandenburgische Outback!

Eine Stiftung kümmert sich um den Erhalt der Reste des Olympischen Dorfes in Elstal. Man kann es besichtigen.

In diesem Büchlein geht es um ein beklagenswert dürres Land: um die lange Zeit verschmähte Streusandbüchse Brandenburg. Heute wissen wir es besser. Dieses einstige preußische Kerngebiet hat Landschaft im Überfluss. Das erkennen lange vor den Einheimischen immer wieder die reisequirligen Berliner. Der Autor und Journalist Paul Stänner ist einer von ihnen, allerdings ein Zugezogener aus dem Münsterland. Er kehrt dem Großstadtmoloch nur allzu gern den Rücken und durchquert mit spitzer Feder und geschultem Auge das sich weit ausstreckende Seen-, Kiefern- und Feldermeer sowie die Schlösser und Burgen der Friedrichs und Wilhelms und ihrer Fußvölker. Dabei entdeckte er an 111 Orten immergrüne Kulturgewächse, die er für uns mit respektloser Herzensfrische beschreibt: So wie es sich für eine „Berliner Schnauze“ gehört. Weiterlesen

Kleine Sonnentänzer auf großer Bühne: Marita Erxlebens Eleven zeigen „Wie der Rabe das Licht brachte“

Auf Spitzen im Rampenlicht des Hans Otto Thaters. Foto: Vanessa Schümmelfeder

Es ist schwer, den richtigen Weg zu finden: nicht nur für die Sonnentänzer und das Rabenvolk. Auch dem Zuschauer fehlt über weite Strecken der Kompass der Erleuchtung. Die von Choreografin Marita Erxleben meisterlich in Szene gesetzte Tanzproduktion „Wie der Rabe das Licht brachte“ glänzt zwar am Hans Otto Theater mit sinnlichen und kontrastreichen Bildern, aber der Inhalt bleibt mitunter auf der Strecke. Weiterlesen

„Bach & Bier“ in der Erlöserkirche: Saisonausklang mit Musik und Poesie in schwungvoller Heiterkeit

Wein und Sekt wurde in den bisherigen Konzerten der zu Ende gehenden Saison des Neuen Kammerorchesters Potsdam ausgeschenkt. Diesmal wird Bier aus dem Forsthaus Templin gezapft und Bach gespielt. „Zum Wohl“ nannten die Veranstalter ihre Konzertreihe, in der das Heitere, Vergnügliche neben dem Besinnlichen und Festlichen steht. Johann Sebastian Bach, der als bedeutendster Komponist kirchenmusikalischer Werke gilt, hat auch Konzerte und Suiten geschrieben, in denen das Tänzerische das Sagen haben.

Am Freitag, 7. Juli, 19.30 Uhr, wird das Neue Kammerorchester Potsdam unter der Leitung von Ud Joffe in der Erlöserkirche Potsdam ein ganzes Panorama von kunst- und schwungvollen Konzerten und Suiten musizieren, die für Bachs weltliche Kompositionskunst stehen. Weiterlesen

Weggeputztes Männerglück: „Ein seltsames Paar“ im Gasometer des Hans Otto Theaters

Lotterwirtschaft trifft auf Saubermann: Wieviel Putzmittel verträgt eine Männer-WG?

Seine kleine häusliche Welt ist auseinander gebrochen. An den roten Wänden hängen noch Fotos der glücklichen Familie – neben den Kunstdrucken berühmter Maler wie Rothko. Genau jenes Bild, das im Museum Barberini derzeit im Original zu sehen ist (Amerika lässt grüßen). Der Fußboden der großzügigen Wohnung ist indes übersät von leeren Bierbüchsen und zerknüllten Chipstüten. Der Kühlschrank gähnt vor Leere. Nur ein Rest Milch gibt es noch, und der flockt. Der Hausherr schlurft in abgestumpfter griesgrämiger Selbstherrlichkeit durch sein Männerreich: mit langen Loden, Schmierbauch und kurzer Schlafanzughose. Unappetitlich wie sein klebriger Tisch. Mann kann sich gehen lassen.

Seine Kumpels leisten ihm beim Pokern bierselig Gesellschaft. Die einzige Störung in diesem gepflegten Männerchaos sind die Anrufe der Ex, die auf Unterhalt für sich und die Kinder pocht.

Die Handlung dieser kammerspielartigen Komödie von Neil Simon ist durchaus aktuell: Das Singledasein hat Hochkonjunktur, getrennte Familien, wohin man schaut. Das diesjährige Sommertheater im Gasometer des Hans Otto Theaters greift mit „Das seltsame Paar“ also ein Stück mit langlebigem Gebrauchswert auf, auch wenn es etwas an auffrischender Politur fehlt. Weiterlesen