Laut kläffend: Lars von Triers „Dogville“ am Hans Otto Theater

Die Menschlichkeit wird ans Kreuz genagelt. Foto: HL Böhme/HOT

Dass dies ein schonungsloser Abend werden würde, war voraus zu sehen. Schließlich ist Lars von Triers Film „Dogville“ von so einer schmerzhaften Wucht, dass er atemlos macht. In von Triers düsterer Parabel spielte Nicole Kidman die Hauptrolle der Grace und ich erinnere mich noch sehr eindrücklich daran, wie angespannt ich um ihr Überleben bangte und wie überrascht ich schließlich von dem Ende war.

Am Samstag brachte nun das Hans Otto Theater „Dogville“ in der Dramatisierug von Christian Lollike auf die Bühne. Für die Inszenierung dieses Höllentanzes holte sich das HOT erstmals den erfolgreichen Regisseur Christoph Mehler ans Haus, der viele Jahre die Spielstätte Box und Bar am Deutschen Theater leitete. Das Premierenpublikum war erstaunlich jung und folgte der ins Groteske getriebenen straffen Einstudierung mit Lachen und konzentriertem Innehalten. Weiterlesen

Klingende Leidenschaft in der Friedenskirche

Einer der gefragtesten Bandoneón-Solisten weltweit: Lothar Hensel.

Auch wir haben uns im Tango versucht. Wochenlang trafen wir uns jeden Mittwochabend nach der Arbeit in der „Theaterklause“, um gemeinsam über das Parkett zu gehen. Ja, zu gehen. Und zu stoppen. Und weiterzugehen. Was sich wie ein Kinderspiel anhört, verlangte von beiden Partnern größte Konzentration. Denn es war nicht wie beim Walzer, wo man vertraut fast blindlings  gemeinsam über den Boden schwebt. Tango lebt von den Überraschungen, von den Impulsen, die der eine gibt und denen der andere folgt. Kommen noch Schritte wie der „Übersteiger“ oder gar Drehungen dazu, gerät das Spiel schnell ins Wanken. Wir kamen jedenfalls bei jedem neuen Schritt ins Schwitzen, vor allem wenn auch noch die Partner getauscht werden mussten – was beim Tango so Brauch ist. Irgendwann gaben wir auf, obwohl uns die Musik und die gefühlvolle Zwiesprache durchaus gefielen. Bei einem Auffrischungskurs kürzlich in der „fabrik“ fühlten wir uns indes wie Analphabeten, die noch nie etwas vom Tango gehört haben. Aber wir bekamen auch wieder Lust, es erneut mit der Caminata und Cruzada zu versuchen. Denn so klangvoll geht es zu beim Tango Argentino!

Ganz entspannt kann man indes in der „Tango Bar“ in der Friedenskirche Platz nehmen. Dort wird am Freitag, den 28. April um 19.30 Uhr, allein der Musik gelauscht. Weiterlesen

Lilis Rezept des Monats: Lammcurry

Ein Gespräch vor wenigen Tagen in der Kultursegler-Redaktion:
„Das neue Monatsrezept von Lili ist da: Es gibt Lammcurry!“ – „Lamm!? Na das passt ja prima zu Ostern.“ – „Aber das mit dem Osterlamm ist doch schon irgendwie anders gemeint, oder?“ – „Hm, also ich mag Lamm.“ – „Was nehmen wir denn als Bild?“ – „Ich habe da mal ein ganz nettes Foto von einem Lamm gemacht. …hier, schaut mal!“ – „Oh nein, wie niiiiedlich!“  „Ich weiß, warum mir Lamm nicht schmeckt.“ – Und so weiter.

Wollen Sie sich schlicht an dem Bild eines süßen Osterlamms erfreuen, hören Sie an dieser Stelle auf zu lesen.

Sollten Sie Appetit verspüren: Es folgt das Rezept für ein leckeres Lammcurry. Ob zu Ostern oder zu jeder anderen Jahreszeit.

Wir wünschen allen Lesern entspannte Feiertage! Weiterlesen…

Die Höllenfahrt Christi im Kunstgespräch

„Auf Höllenfahrt“: ein Gemälde von Michel Ribestein, dem  „Brandenburgischen Cranach“ Foto: Andreas Miet

Wer das Osterfest nicht nur mit Geschenke suchen, Eiertrudeln und kulinarischen Freuden verbringen möchte, den lädt das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte zu einer Bildbetrachtung ein. Auf dem Gemälde geht es um die „Höllenfahrt Christi“, die uns den Sinn des Osterfestes malerisch vor Augen führt.  Weiterlesen

„Ich wechselte die Männer wie meine Tabletten“: Eine Biografie über die deutsch-jüdische Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff

Während meiner Weiterbildung im Biografischen Schreiben wurde immer wieder Angelika Schrobsdorff zitiert. Nicht nur ihr wohl bekanntestes Buch „Du bist nicht so wie andere Mütter“ eignete sich bestens, um zu zeigen, wie man ein Leben eindringlich zu Papier bringt. Nichts beschönigen, nichts verschweigen – das war das Schreib-Credo der klugen und lebenshungrigen Schriftstellerin Schrobsdorff (1927–2016).

Über ihre Kindheit notierte sie: „Ich fürchtete die Wutanfälle meiner Mutter mehr als die Hexe aus ,Hänsel und Gretel‘. Es waren Momente der Angst und des Schreckens, von denen ich schon mehr als genug kannte. Auf einem Bild aus diesen Jahren, das der Maler Jäckel, ein Freund meiner Eltern, von mir gemalt hat, sehe ich aus wie eine Käthe-Kruse-Puppe, die voller Argwohn und Ablehnung in die Welt blickt. Meine Schwester behauptet noch heute, ich sei ein entsetzliches Kind gewesen.“

Dieses Kind musste 1939 Berlin verlassen und wurde in ein fremdes Land, nach Bulgarien, verfrachtet. Diese Entwurzelung und das Schicksal ihrer jüdischen Familie führten zu Beziehungsängsten, unter denen sie zeitlebens litt. „Ich wechselte die Männer wie meine Tabletten, von denen ich nie lange dieselben nahm aus Angst, die Wirkung könne sich vermindern.“

Im be.bra Verlag ist nun die Biografie „Angelika Schrobsdorff – Leben ohne Heimat“ erschienen, die noch einmal diese charismatische Autorin zu Worte kommen lässt: durch zahlreiche Zitate aus ihren Büchern, persönliche Briefe und eine einfühlame Zusammenfassung ihrer Gedanken- und Lebensfülle. Weiterlesen

„STILBLÜTEN“ – Kunst- und Kreativmarkt im Rechenzentrum

Das Titelbild, ein Stempeldruck, stammt von Verena Postweiler – Mieterin im Rechenzentrum seit über einem Jahr.

Torschusspanik, weil Du noch keine Ostergeschenke hast? Obwohl ich meine Familie wie meine Westerntasche kenne, fehlen mir auch noch die richtigen Ideen. Das wird sich am kommenden Samstag vielleicht ändern. Kunstinteressierte und Geschenksuchende sollten sich in Halbachtstellung begeben, denn der Stilblüten-Frühlingsmarkt am Samstag bietet einige Blüten mit Stiel. Nein Stil!

Wie jetzt? Im Rechenzentrum Potsdam werden natürlich keine falsch oder komisch formulierten Redewendungen zum Besten gegeben, nein, hier geht es um sprießende Kreativität, um Kunst in voller Blüte. Weiterlesen

„The Gate“: 300 Jahre Berliner Geschichte in 20 Minuten

Geschichte hautnah. „The Gate“ setzt schlaglichtartig und mit multimedialer Finesse auf Emotionen.

Schon beim Runtersteigen der Treppe dröhnt uns lauter Kanonendonner entgegen. Wir hören die piepsige Stimme von Walter Ulbricht: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“ Als wir schließlich durchs Drehkreuz den flachen dunklen Raum betreten, werden wir von der Bilderflut geradezu überschwemmt. Der Körper vibriert im „Kugelhagel“ dieser rasanten Erlebnisshow zwischen Schüssen, Scherben, Bomben, Feuer, Jubeltaumel. In nur 20 Minuten durcheilen wir 300 Jahre Geschichte und es gibt kein Entrinnen. Diese vor einem Jahr eröffnete multimediale Ausstellung „The Gate“ in den Räumen des früheren Kennedy-Museums neben der französischen Botschaft am Pariser Platz zieht hinein: mit kraftvollen Filmsequenzen, schnellen Schnitten, dröhnenden Elektrobeats. Wie in einem Fahrstuhl geht es hoch und runter – von Glanz zu Elend und wieder zurück: vom blutigen Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs zu den Charleston-Klängen der 20er, vom Scheiterhaufen „entarteter“ Kunst zum Erstürmen der Mauer, vom lichten Ballett der Nachwende-Kräne in die schwüle Hitze der wiedervereinten Disconacht. Weiterlesen

Alles hat seine Zeit: Barbara Wiesener liest aus ihren „Notizen aus dem Gartenhaus“

Die Sonnenstrahlen tragen schwarze Ränder. Foto: Sybille Kinne

Sie nannte ihr Buch bescheiden: „Notizen aus dem Gartenhaus“ und haderte lange mit der Veröffentlichung. Zu privat erschienen ihr die niedergeschriebenen Gedanken. Doch gerade diese ungefilterte Nähe macht die Stärke dieses kleinen, bewegenden Büchleins aus, das nun in der zweiten Auflage erschienen ist. Die Autorin Barbara Wiesener stellt es am Dienstag, den 14. März, im „Viktoriagarten“ vor. Weiterlesen

Kein Halt auf freier Strecke. „Schlafen werden wir später“ in dieser rastlosen Zeit

Zsuzsa Bánk lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Frankfurt am Main. In ihrem Briefroman  fragt sie: Was wird noch kommen in diesem Leben um die 50?! Foto: Gaby Gerster

Gerade bin ich durch den dicken Wälzer von Juli Zeh gerauscht und noch ganz benommen von diesem stachligen Charakteren-Gestrüpp, das tief in die Haut sticht. Dieser schwergewichtige Heimatroman „Unterleuten“ reißt einer sehnsuchtsgetränkten Dorfromantik beherzt die Maske vom Gesicht. Danach hat es jedes weitere Lebensdrama erstmal schwer, zu einer neuen Leseleidenschaft zu werden.

Dennoch griff ich erwartungsfroh zu Zsusza Bánks im S. Fischer-Verlag erschienenen Briefroman „Schlafen werden wir später“, das die Autorin am Mittwoch im Waschhaus vorstellen wird. Eigentlich sollte die Lesung  im Buchladen Wist stattfinden, aber die Nachfrage war zu groß. Von der preisgekrönten deutschen Schriftstellerin mit ungarischen Wurzeln kannte ich bereits „Die hellen Tage“, die mich in ihrer weltverlorenen Schwebe leseglücklich machten.

Ihr neues Werk ist nun in gut konsumierbarer Briefform geschrieben: Zwei Freundinnen teilen sich fast täglich per Email mit, von welchen Alltagskrisen sie gerade durchgeschüttelt und aufgerieben werden. Und davon gibt es unzählige in diesen beiden so verschiedenen Leben. Weiterlesen

Lilis Blitzrezept: Pasta mit Lachs

Manchmal muss es schnell gehen. Gerade jetzt, wo sich Lilis Zuhause in eine Baustelle verwandelt hat, bleibt wenig Zeit und Muße, um am Herd zu  stehen. Doch eine gute Küchenfee hat immer ein Rezept parat, das sich auch im Baudreck zügig zubereiten und servieren lässt. Hier also Lilis Blitzrezept für ein leckeres „Abendbrot“ zu zweit:

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