Wie eine Reise in die Savanne. Angélique Kidjo und das Filmorchester Babelsberg im Nikolaisaal

Die Stimme von Angelique Kidjo atmet die Weite und Kraft von Mutter Afrika.

Vor einigen Jahren reiste ein Freund von uns in den Benin, um dort für ein paar Wochen als Arzt in einem Hilfsprojekt mitzuarbeiten. Zum Abschied in dieses Abenteuer wollten wir ihm eine musikalische Begleitung mit auf den Weg geben. Bei der Suche nach der passenden Musik stießen wir auf Angelique Kidjo, eine Sängerin aus dem Benin. Für uns eine echte Entdeckung. Umso mehr freuten wir uns, als sich diese Künstlerin als Gast im Nikolaisaal ankündigte – und das auch noch in Begleitung des Filmorchesters Babelsberg. Weiterlesen

Wieviel Theater darf sein? Am Sonntag beginnt die Vocalise und lotet aus, was in den Heiligen Hallen angemessen ist

Ein vorsichtiges Annähern und Ausloten wie hier bei Michelangelo gehört auch bei der Erarbeitung von Musik dazu.

Es war einer dieser unglaublichen, wunderschönen Momente. Wir saßen in sommerlicher Familienurlaubsrunde auf dem Marktplatz von Riga und studierten in einem der Cafés die Speisekarte. Beim Blick in das kunterbunte Treiben um uns herum tauchte plötzlich inmitten der Masse das Gesicht von Regine Rüss auf, von der namhaften Druckerei aus Potsdam. Die Freude auf diese unverhoffte Begegnung war groß und noch größer die Vorfreude auf ein Konzert, an dem wir sie am Abend erleben durften. Sie war spontan als Chorsängerin aus Potsdam angereist, um zusammen mit rund 300 Sängern im halligen Dom von Riga Haydns „Schöpfung“ zur Aufführung zu bringen. Menschen aus aller Herrgotts Länder fanden dort zusammen, um im rauschhaft-gewaltigen Sound das Werk erklingen zu lassen.

Am Sonntag hören wir nun gemeinsam Joseph Haydns „Schöpfung“ in Potsdam, zur Eröffnung des Vokalfestivals „Vocalise“ in der Erlöserkirche. Weiterlesen

Zwischen Schlachtgetöse und Klagelied: Ton und Kirschen feiern mit einer Collage 25 Jahre grenzenloses Gauklerleben

Mit kriegerischem Gebrüll und lautem Getöse geht es erstmal vor die Tür. Das Publikum folgt der farbenprächtigen wilden Herde. Rund um ein Feuer gebärden sich die sieben Mimen von Ton und Kirschen als raufendes Volk, das sich gegenseitig an den Kragen geht. Nach diesem Prolog mit Tod und Wiederauferstehung geht es hinein in die fabrik und eine farbenprächtige Collage greift Raum. Das Wandertheater feiert seinen 25. Geburtstag mit Texten von Beckett, Tschechow, The English Mumming Play, Rumi, Ovid und  Brecht. Und das natürlich in der ihm eigenen humorvoll-poetischen Art, in der sich Schauspiel, Maskentanz und Puppenspiel klangvoll vereinen. Theater, das Herz und Bauch anspricht und den Kopf dabei nicht vergisst. „In the blink of an eye“ – In einem Augenblick – ist eine fantasievolle Reise durch die Welt, in der sich allerorten Liebe und Leid, Wut und Sehnsucht paaren. Weiterlesen

Auf der Suche nach dem Lieblingsstück: Kunstmesse „ART Brandenburg“ in der Schinkelhalle

Linien und Grenzen auf dem Reliefbild des im Elbe-Elster-Kreis lebenden armenischen Künstlers Ararat Heydeyan

Auf der Webseite kann man schon mal auf Tuchfühlung gehen und zwischen den Künstlern wandeln. Ich stoppe bei den sinnlich-selbstbewussten Frauenfiguren von Heike Adner, dem feingesponnen-kraftvollen Liniengeflecht des armenischen Malers Ararat Haydeyan, den raumgreifend-erzählerischen Collagen von Bettina Schilling … Und merke: Es wird schwierig!

Es ist ein spannender Vorgeschmack auf die Werke von rund 100 zeitgenössischen Künstlern, Künstlerkollektiven und Produzentengalerien aus Brandenburg und Berlin, die vom 9. bis 12. November auf der 7. ART BRANDENBURG präsentiert werden. Weiterlesen

Farbe statt grauer Masse. Das Museum Barberini schaut „Hinter die Maske“: auf Künstler aus der DDR

Kampf ums Gleichgewicht: Der „Seiltänzer“ von Trak Wendisch 1984

Hier soll ein Schlussstrich gezogen werden: Das Nachwende-Schwarz-Weiß-Bild der DDR-Kunst wird mit Farbe gefüllt. Nein, es gab nicht nur Staats- und Auftragskunst und nicht alle Künstler biederten sich an und ließen sich verbiegen. Und selbst die staatsnahen Größen warteten durchaus mit Qualität auf. Differenzierung statt Pauschalisierung. Das Museum Barberini schaut nun abseits der politischen und sozialen Aufladung auf die künstlerische Bedeutung, die zwischen 1945 bis 1989 entstanden ist. Die ausgewählten Werke von 80 Künstlern in rund 120 Werken zeigen deutlich die Traditionslinien auf, die an den DDR-Grenzen keineswegs vorbei liefen. Weiterlesen

Schönheit hat viele Gesichter: Im Zwiegespräch mit den Old Masters im Supermarkt Golm

Wir sind nicht die Einzigen, die an diesem Nachmittag in die Hochkultur von Golm eintauchen. Ja, in diesem versteckten Winkel des seit 17 Jahren geschlossenen Lebensmittelmarktes ist eine Ausstellung zu sehen, die es in sich hat. Und die aufgrund der großen Resonanz bis Mitte November verlängert wird. Ich muss zugeben, dass ich mich etwas skeptisch auf den Weg gemacht habe: eher an Promi-Schaumschlägerei dachte als an zupackende Kunst. Irrtum!

„Old Masters“ ist diese aufwühlende Ausstellung überschrieben, in der berühmte Gemälde nachgestellt und fotografiert wurden. Es ist keineswegs ein Abklatsch der Alten Meister, was der polnischen Fotografin Sylwia Makris da in feinsinniger Neuinszenierung gelungen ist: kein ehrfurchtvolles Erstarren. Weiterlesen

Lilis Gruß aus der Küche: ein herbstliches Dreigang-Menü

Als mich mein Mann mit seinem diesjährigen Urlaubswunschziel konfrontierte, glaubte ich, meinen Ohren nicht zu trauen. Nach Detmold sollte es gehen, so sein Begehr. Ich kenne Detmold nicht. Aber es hörte sich an wie Hintertupfingen, Jüterbog oder Würselen. Inzwischen weiß ich, dass er sich auf die Spuren der Varusschlacht begeben möchte: zum Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald. Nun denn: Morgen geht’s los. Ein straffes Programm ist „abzuarbeiten“: mit klangvollen Stationen wie Münster, Bonn, Worms und Heidelberg, die auf Detmold folgen. Am Ende erwartet uns ein Quartier in Meersburg am Bodensee, dem Ort der Erbauung von Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Ihr Fürstenhäusle ist indes gerade wegen Renovierung geschlossen. Schade. Aber es gibt anderes zu entdecken. Zum Beispiel die Badische Küche.

Doch bevor wir uns auf Brägele mit Bibeliskä einlassen, was so viel wie Bratkartoffeln mit selbstgemachtem Kräuterquark bedeutet, gibt es hier für Euch nochmal Lili „satt“: Ein Dreigang-Menü mit den Früchten des Herbstes. Ich habe es bereits kosten dürfen – und schmecke noch immer die aromatischen Kürbisspalten und köstlichen Weinpflaumen auf den Lippen. Weiterlesen

Klangvolle Bilder. Wolf-Dieter Pfennig malt live beim Eröffnungskonzert des Neuen Kammerorchesters Potsdam

Auf den Schwingen der Fantasie. Wolf-Dieter Pfennig begleitet das Neue Kammerorchester Potsdam malend durch die Saison.

 

Er selbst sagt von sich: „Ich bin ein Jazzer im Zeichnen und Malen“. Am Donnerstag kann Wolf-Dieter Pfennig live unter Beweis stellen, wie tief das Improvisieren in seiner künstlerischen Hand pulsiert, wie die Musik sein Malen dirigiert. Zur Saisoneröffnung des Neuen Kammerorchesters Potsdam in der Schinkelhalle entsteht vor den Augen des Publikums ein großformatiges Werk, das das Gehörte sichtbar macht: Rhythmen und Klänge gerinnen zu Strichen, Farben, Impressionen.  Pfennig ist in dieser Spielzeit ein „Artist in Residence“, er gestaltet die Plakate und Flyer des Klangkörpers – und zum Auftakt nun eben dieses „Spontanwerk“. Weiterlesen

Eine Fusion, die es in sich hat – Dellé und das Deutsche Filmorchester Babelsberg bringen den Nikolaisaal zum Toben

Dellé und das Babelsberger Filmorchester im Nikolaisaal

Es ist ein Wiedersehen der besonderen Art. Eine Rückkehr dorthin, wo der Grundstein für eine große Musikkarriere gelegt wurde. Denn Frank Dellé, Frontmann der Berliner Band Seeed, spielt an diesem Abend nicht zufällig in Potsdam. Nein, er hat hier während seines Studiums zum Toningenieur an der damaligen HFF, heute Filmuniversität Babelsberg, mehrere Jahre gelebt. „Dabei konnte ich mich kontinuierlich verbessern. Vom Studentenwohnheim in Golm, über ein Zimmer am Neuen Palais schaffte ich es schließlich bis ins damals gerade erst erbaute schöne Studentendorf nach Griebnitzsee“, erinnert sich der gebürtige Berliner, der damals trotz der Nähe zu seiner Heimatstadt bewusst nach Potsdam zog. Und nun ist er wieder hier. Steht auf der Bühne des Nikolaisaals – neben der Person, die schon vor 20 Jahren das Talent des jungen Studenten erkannte. Neben seinem damaligen Dozenten für Gehörbildung: Bernd Wefelmeyer, Dirigent des Deutschen Filmorchesters Babelsberg. Weiterlesen

Der grüne Fürst und die Kaiserin bitten zum Empfang: Noch bis 15. Oktober ist die Schau im Schloss Babelsberg geöffnet

Nach der Ausstellung wird das Schloss wieder für mehrere Jahre geschlossen. Foto: Sophie Jäger

Schaffen Sie es auch immer erst auf den letzten Metern? Da gibt es im Kopf eine Liste mit den schönsten Dingen, spannendsten Filmen, hochgelobtesten Ausstellungen, die man keineswegs verpassen möchte, doch am Ende muss man sich sputen, dass sie nicht ungesehen vorüberziehen. Bei Pückler ist es mir noch rechtzeitig gelungen, ihm meine Aufwartung zu machen. Sogar drei Wochen, bevor er sich aus dem Schloss Babelsberg wieder verabschiedet. Noch bis zum 15. Oktober weht die weiße Fahne mit dem Wort Pückler auf dem Schlossturm und lädt ein, die Ausstellung „Pückler Babelsberg – Der grüne Fürst und die Kaiserin“ zu sehen. Ein Muss für Parkliebhaber. Und dank Online-Reservierung für ein bestimmtes Zeitfenster ganz bequem ohne Schlange stehen. Weiterlesen